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Zur Geschichte des Fünfknopfturms und der Stadtbefestigung

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Der Fünfknopfturm ist das Wahrzeichen der Stadt Kaufbeuren. Seinen Namen hat er von den fünf Turmknöpfen, welche die Hauptspitze und die vier Scharwachttürmchen bekrönen.

Der Turm ist 33 Meter hoch, aus Ziegelsteinen erbaut und wurde um 1420 errichtet. Zur Türmerstube im fünften Stock führen 92 Stufen. Die Feuerglocke stammt aus dem Jahr 1855.

Der 9,70 Meter hohe Schild auf der Ostseite zur Stadt ist ein Kriegswahrzeichen und zeigt einen aus Holz in Flachrelief ausgeführten Adler, der die Fänge auf die Wappen der im Ersten Weltkrieg verbündeten Mittelmächte Türkei, Bulgarien, Deutsches Reich und Österreich-Ungarn stützt.

Am 6. Mai 1917 begann die Nagelung des Schildes als Beitrag zur Kriegshilfe und Kriegsfürsorge. Zu einem Reinerlös von 12.000 Mark wurden 5.387 Nägel eingeschlagen. Am 30. September 1917 fand die Enthüllung statt.

Die Nägel sind aus Eisen, wurden aber Ende der 1970er Jahre verzinkt. Die 165 großen Nägel stehen sinnbildlich für die bis 1917 gefallenen Kaufbeurer Söhne.

"kaufbeurer abc", Egon Guggemos, 1997 und Heimatverein Kaufbeuren

Geschichte der Stadtbefestigung

Die 1191 in den Besitz des Reichslehens gekommenen Staufer erhoben den Ort um 1220 zur Stadt. Der nachfolgende wirtschaftliche Aufschwung durch Wochen- und Jahresmärkte, durch die Webindustrie, den Groß- und Fernhandel mit Tuchen, durch die damals weit gerühmte Fabrikation von Kettenhemden und Papier führte dazu, dass sich die Stadt spätestens ab 1301 von "Beuren" in "Kaufbeuren" umbenannte.

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Im Zuge der Stadterhebung erhielt Beuren das Recht, sich zum Schutz seiner Bürger und zur Definierung seiner Rechtsgrenzen mit einem Mauerzug zu umgürten. Diese Ummauerung aus Tuffquadern war nur etwa fünf bis sechs Meter hoch, allerdings nach Norden und Süden - wohin sich die beiden Haupttore öffneten - durch einen breiten Wassergraben gesichert.

Sie umschloss einen steilen Hügelzug im Westen, die sog. Buchleite mit der Blasiuskirche. Derart befestigt, widerstand die Stadtmauer zwar im Jahr 1315 einer Belagerung, nicht aber dem Großbrand von 1325. Im Zuge der Erneuerung erweiterte man die Stadtbefestigung nach Nordosten, um das außerhalb gelegene Spital besser zu sichern. Damals (vor 1333) entstand das Spitaltor.

Der Ausbau der Stadtbefestigung

Weiteren Belagerungen 1377 und 1388 trutzte die Stadtbefestigung zwar erneut, doch verstärkte man sie um 1420/30 angesichts der Hussitenbedrohung durch einen neuen Wehrgang und weitere Türme (Gerberturm, Blasiusturm, Fünfknopfturm, Hexenturm).

1493 erfolgte eine neuerliche Modernisierung. In den folgenden 25 Jahren stattete Kaiser Maximilian I. der Stadt, die ihm offensichtlich gut gefiel, 14 Besuche ab, wobei er 1497 das berühmte Tänzelfest gestiftet haben soll. Eine Wehr- und Wachordnung aus dem Jahr 1575 führt 602 streitfähige Männer auf.

Konfessionsstreitigkeiten im 16. und 17. Jahrhundert, eine große Pestepidemie 1627/28 und die wiederholten Plünderungen während des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648) setzten Kaufbeuren so schwer zu, dass der Ausbau zu einem zeitgemäßen Festungswerk unterblieb.

Wie in fast allen bayerischen Städten wurden mit der Säkularisation 1803 Teile der Stadtmauer durch den Staat auf Abbruch verkauft. Von den ehemals drei großen Tortürmen, den insgesamt neun Flankierungstürmen und dem Mauerzug haben sich lediglich fünf Türme und einige Teilstücke der Ummauerung erhalten, wobei der sehenswerte, gedeckte und begehbare Mauerzug zwischen Fünfknopfturm und Blasiuskirche 1990/91 eine Sanierung erfuhr.

Quelle: Dr. Joachim Zeune, Büro für Burgenforschung, Eisenberg-Zell, burgenregion.de, 2006

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Bis zum 19. Jahrhundert

Diesen Text trug Werner Weirich (Vorsitzender des Heimatverein Kaufbeuren) auf der Mitgliederversammlung am 20. Januar 2015 vor:

»Wir wären heute nicht hier, wäre der Fünfknopfturm nicht für uns alle ein Monument von ganz besonderer Bedeutung. Er ist das Symbol Kaufbeurens, ein im wahrsten Sinne "herausragendes" Bauwerk und wie das historische Rathaus eng mit dem Stolz der Stadt und seiner Bürger auf Kaufbeuren reichsstädtische Tradition verbunden.

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Über seine Anfänge wissen wir - wie in so vielen Fällen - nur wenig wirklich Konkretes. Man kann davon ausgehen, dass der Bau der Stadtmauer auf der strategisch wichtigen Buchleuthe in die Zeit der Gründung Kaufbeurens als Stadt durch den Stauferkaiser Friedrich II. im frühen 13. Jahrhundert fällt.

Zu einer Stadt im rechtlichen Sinn gehörte eine Mauer, hinter der im Notfall z.B. auch hier in diesem Haus die Mönche des Klosters lrsee Schutz finden konnten. 1333 ist erstmals von einer "rinchmur" die Rede.

Der Bau der Türme - damit auch des Fünfknopfturms - fallt nach Christian Frank in eine spätere Ausbauphase der Stadtmauer um 1420, nachdem die Stadtmauer 1315, 1377 und 1388 drei Belagerungen erfolgreich getrotzt hatte.

Der "fünfknopfete Turm"

Die Anlage der Stadtmauer sowie der Bau von St. Martin und St. Blasius in der heutigen Form innerhalb nur weniger Jahrzehnte zeugt von der Finanzkraft der damals rund 3.000 Einwohner zählenden Reichsstadt und prägte das Stadtbild Kaufbeurens der folgenden Jahrhunderte. Für 1463 ist der Guss der ersten Glocke für den Fünfknopfturm belegt; sie überdauerte fast 400 Jahre bis 1855.

1464 wird erstmals ein Türmer namentlich genannt: Peter Bock.

1509 während eines Besuchs Kaiser Maximilians diente der "fünfknopfete Turm" auch als Gefängnis - für einen Bürger namens Christoph Schmid, der sich gegenüber einem bei ihm einquartierten Begleiter des Kaisers "ungebührlich verhalten" hatte.

Abriss noch rechtzeitig eingestellt

Der Fünfknopfturm überstand den Dreißigjährigen Krieg, mehrere Blitzeinschläge und glücklicherweise auch, nachdem Kaufbeuren 1802/03 an Bayern gefallen war, den geplanten Abriss aller Befestigungsanlagen unter Graf Montgelas, dem Minister König Max I. Josephs.

Als Montgelas 1817 u.a. auf Betreiben des Kronprinzen und späteren Königs Ludwigs I. gehen musste und die Abbrucharbeiten eingestellt wurden, war vieles schon abgerissen.

Wichtige Teile der Stadtmauer standen und stehen aber glücklicherweise noch, vor allem eben im Bereich von St. Blasius bis zum Fünfknopfturm.«

Quellen:

Thomas Pfundner, Aus der Geschichte des Fünfknopfturms, Kaufbeurer Geschichtsblätter, Bd. 9 (1982), S. 209-215 | Helmut Lausser, Die urbane Formung, Vor- und Frühgeschichte Kaufbeurens, in: Jürgen Kraus, Stefan Fischer, Hg. | Die Stadt Kaufbeuren, Thalhofen 1999, Bd. 1, S. 10-41 | Stefan Dieter, Die urbane Prägung, Kaufbeuren im späten Mittelalter (1315 bis 1525), in: ebd., S. 42-63, hier: S. 59

Leonhard Weißfloch, Die Stadttore von Kaufbeuren nach der Schropp'schen Bilderchronik, Kaufbeurer Geschichtsblätter, Bd. 4 (1964), S. 57·62 | mündliche Informationen von Ludwig Egelhofer

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Im 20. Jahrhundert

Diesen Text trug Anton Heider (Stadtführer) auf der Mitgliederversammlung am 20. Januar 2015 vor:

»Liebe Kaufbeurer, liebe Freunde unseres Fünfknopfes und alle die es vielleicht heute Abend noch werden wollen. Sind wir alle froh, dass unser Wahrzeichen bisher schon fast 600 Jahre überdauert hat. Dass es immer pflichtbewusste Türmer gab die den Fünfknopf und die Stadt vor weiterem Unbill bewahrt haben, so dass es uns nicht so ging wie im Jahr 1462 in Duisburg, als der Türmer neben der brennenden Kerze einschlief und dadurch der Turm der Salvatorkirche ausbrannte.

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Urkunde der Nagelung von 1917Ein Besuch beim Türmer

Ich lade Sie ein zu einem Besuch in unserem Fünfknopfturm anno 1903 beim damaligen Turmwächter Höntze. Er war damals schon telefonisch mit dem Rathaus verbunden (übrigens der erste Telefonanschluss in der Stadt Kaufbeuren).

Nachdem wir uns über die mehr als 80 Treppenstufen in den Turm emporgeschwungen haben, sind wir angenehm überrascht über die Häuslichkeit, die sich unser Höchstgestellter dort geschaffen hat. Während das aller höchste Stockwerk die Familienwohnung darstellt, präsentiert sich der darunterliegende Raum als möbliertes, mit den Bildern des Prinzregenten, des Kaiserpaares, schönen Landschaften und Photographien geschmücktes Empfangszimmer, das als besondere Eigenart mit Briefmarken tapeziert ist.

Nicht weniger als 38.000 Marken aller Länder, auf Bogen dicht nebeneinander geklebt, zieren die Wände von oben bis unten. Einer der Rothschilds soll auch mal diese Idee verwirklicht haben, aber ob er so viel echte Marken zusammenbekommen hat wie unser Türmer, das ist noch die Frage.

Vom Fenster blicken wir noch auf unsere liebe Heimatstadt und auf ein herrliches Alpenbild und mit einem dargebotenen Feldstecher entdecken wir im Schatten des Säulings das stolze Königsschloss Hohenschwangau und die nahen Seen. So war dieser Gang kein nutzloser, auch bewies uns ein reichhaltiges Markenalbum daß der Bewohner dieses Turmes auch planvoll zu sammeln versteht. Beim Fortgang sagten wir gern: "Auf Wiedersehen". (Auszug aus "Kaufbeurer Anzeigeblatt" vom 11. März 1903)

Die Nagelung in Kriegszeiten

Im Frühjahr des Jahres 1917, inmitten des vierten Kriegsjahres des Ersten Weltkrieges, entstand die Idee ein Kriegswahrzeichen zu schaffen. Altspittelmüller Richard Wiedemann, beauftragte den Architekten Robert Erdmannsdorffer mit der Planung und in diesem reifte der Entschluss die durch eine unansehnliche Bretterwand verdeckte Maueröffnung des Fünfknopfturmes mit diesem Wahrzeichen zu verschließen.

Mit der Ausführung des 9,70 Meter hohen Schildes wurden der Holzschnitzer Munk aus Augsburg, der anschließend in Kaufbeuren heimisch wurde, Schreinermeister Loher und Malermeister Futterknecht beauftragt.

Großer Festzug aus Anlass der Nagelung

Einer Anzeige vom 4. Mai 1917 entnehmen wir eine Einladung zum Beginn der Nagelung des vorerst in der Schrannenhalle aufgestellten Kriegswahrzeichens. Zu einer kurzen Feier versammelten sich der engere und erweiterte Damenausschuss sowie die Abordnungen der Frauenvereine um 10:15 Uhr an der Schrannenhalle, dagegen beide Herrenausschüsse nebst den städtischen Kollegien und Vereinsabordnungen - welche beabsichtigen sich an der Nagelung zu beteiligen - zu gleicher Zeit im Rathause. Von hier begibt sich der Festzug zur Schrannenhalle wo darauf die Nagelung beginnt.

Um dem Bemittelten wie dem Unbemittelten, dem Großen wie dem Kleinen Gelegenheit zu geben sich an dem Werk zu beteiligen, gab es verschiedene Nägel. Ein goldener Nagel zum Gedenken an die Gefallenen kostet 20 Mark. Ein Nagel für die Jahreszahlen 1914-17 sowie für die Wappenränder 5 Mark, ein Nagel für den äußeren Rand eine Mark und an Soldaten, Schüler und Schülerinnen werden Nägel um 50 Pfennig abgegeben. Bei 6.000 Nägeln träfe es pro Kopf auf unsere Einwohnerzahl einen Nagel.

Ein prächtiger Schlussakt folgte

Dann am Sonntag, den 30. September, dem 70. Geburtstag von General von Hindenburg erfolgte die Einweihung, Enthüllung und Übergabe des Kriegswahrzeichens an die Stadt. Während sich die Festgäste um 10:45 Uhr am Fünfknopf versammelten.

Jugend und Schüler versammelten sich um 10:45 am Kriegerdenkmal, um mit Musik, unter Sang und Klang zum Fünfknopf zu ziehen. Beginn der Feier war präzise um 11:00 Uhr. Bei allenfa llsigem Regenwetter hätte der Festakt in der Halle des Rosengarten stattgefunden.

Nach Festreden von Richard Wiedemann, Bürgermeister Dr. Georg Volkhardt und Magistratsrat Jos. Probst erfolgte die Enthüllung. Kanonenschüsse aus dem nahen Tänzelhölzchen und festliches Läuten aller Glocken der Stadt kündeten von der Übergabe. Aus den drei Fensterehen die im prächtigen Wappen angebracht sind, streuten junge Fräulein in wallendem Haare Blumen auf die Menge herab. Ein prächtiger Schlussakt.

1967 erfolgte dann noch eine große Renovierung des Turmes und 1982 wurden die Nägel des Wappens generalüberholt, wobei das Blech für die großen Nägel verzinkt wurde.

Viele Türme - Ein Fünfknopfturm

So wünschen wir unserem Fünfknopfturm unserem Kaufbeurer Wahrzeichen dass er noch viele Jahrhunderte unsere Vaterstadt bewachen möge. Es gibt mehrere Türme ähnlicher Art und Aussehens in der näheren und weiteren Umgebung.

Aber wohl keinen Fünfknopfturm der aufgrund seiner Lage auf einem Höhenzug mitten in der Stadt in Verbindung mit diesem prägenden Wappen diese Bedeutung hat.«

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Die St. Blasius-Kirche

Die St. Blasius-Kirche ist nördlicher Eckpunkt der noch bestehenden Stadtmauer. Der Bau wurde im Jahre 1319 erstmals genannt und war vielleicht eine ehemalige Reichshofkirche mit Friedhof. Erwähnt wird der Friedhof in einer Ablaßurkunde vom 14. April 1319. Er lag in den jetzigen Gärten der Hausnummern 9 bis 23 in der Straße "Unter dem Berg" unterhalb der Kirche.

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Im Jahre 1436 entstand ein neuer Chorbau, 1484 wird das Langhaus in eine gewölbte Halle umgewandelt. Der Altar wurde 1518 vom Bildhauer Jörg Lederer angefertigt.

Die St. Blasius-Kirche ist täglich außer montags von 10:00 bis 11:00 Uhr und 14:00 bis 16:00 Uhr zu besichtigen.

Quelle: "kaufbeurer abc", Egon Guggemos, 1997

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