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Historisches, informatives und unterhaltsames aus der Geschichte des Turmes


Haintz Angerman war Nachtwächter auf dem Kirchturm. Er hat am 10. Dez. 1436 Urfede geschworen.
1419 Ein Sighart wird als Türmer genannt?
1420 Der Baumeister Ulrich Murer und sein Sohn Leonhart bauen den fünfknöpfigen Thurm. Sie haben auch den alten Turm der St. Martinkirche abgetragen und neu gebaut.
1463 Die erste Feuerglocke wird am Turm aufgehängt, sie hält bis um das Jahr 1800, dann zerspringt sie.
1464 Peter Bock (Book) 1464 im Gefängnis gewesen? Er hat am 9. Nov. 1464 Urfehde geschworen
1509 Christoph Schmid der Sailer wird auf dem Turm in Arrest gesetzt.
 Er hat sich beim Besuch von Kaiser Maximilian I. gegen einen Herrn von Gerolzegk , der bei ihm einquartiert werden sollte, ungebührlich verhalten
1525/36 Wenn die Sturmglocke geschlagen wird, bei Feuer oder anderen Gefahren, haben sich in Harnisch und mit Bewaffnung auf dem Fünfknopfetturm einzufinden: Caspar Hoffmair, Hans Keuffer, Lorentz Vierer.
1558 Der Turmdienst wird von Hainlin auf Jörg Egelin übertragen
1588 Der Turm wird Fünfknopfetthurm genannt
1565  Türmer ist Hans Pair aus der Pfalz 
1567 wird die Bitte dem Blaser (Wächter) ein Stüblin auf dem Turm zu bauen abgeschlagen.
* Im 30 jähr. Krieg (1618 – 1648) werden erneut Vorsichtsmaßnahmen getroffen und eine Wache auf dem Turm bestellt.
1656 Der Stadtwächter wird durch den evang. Stadtrat neu besetzt, Meyer Michael, er verstarb vermutlich 1670.
1670 Turmwächter ist Lazarus Rupin
1677 Mattheus Mederschach ist Wächter bis 1691
* Im Laufe des 18. Jh. mussten nach der Feuerverordnung bei einem, in der Stadt, ausgebrochenen Feuer bestimmte Personen an zugewiesenen Orten ihre Stellung einnehmen. An der Stiege des 5-knopffeten Thurms Elias Rauch und Georg Galster.
* Im 18. Und 19. Jh. wird der Wachdienst an arme und kinderreiche Leute vergeben. Es werden ausnahmsweise auch Katholiken als Wächter geduldet. Die Entscheidung lag aber immer bei den Evangelischen.
 1707 wird beschlossen den Turm wieder zu besetzen. Die Franzosen hatten Städte in der Umgebung überfallen. Es erfolgt aber kein Überfall mehr.
1707  Türmer ist Hans Georg Koblitz aus Rißniz (Schlesien).
 
 Koblitz bittet 1707 wegen der geringen Besoldung statt dem Schuster Weltz als Musiker in der Kirche aufgenommen zu werden, dem wurde statt gegeben.
1709 Am 24. April schlägt der Blitz 2 oder 3 mal ein, das ausgebrochene Feuer kann unter großer Mühe mit Milch gelöscht werden.
 Das Löschen mit Milch, Bier oder Blut beruht auf einem Aberglauben. Feuer durch Blitzeinschläge können nur damit gelöscht werden und gleichzeitig wird der germanische Gott Donar besänftigt. 
1710 Am 16. Sept. 1710 bittet Koblitz, weil er wegen der schlechten Besoldung nicht bestehen könne, um seinen Abschied und man solle die 5 fl. (1 Gulden sind 60 Kreuzer, heutiger Wert ca. 10 Euro) die er als Strafe noch schuldig sei zu schenken  (Er war Vater eines unehelichen Kindes) Das wird bewilligt.
 
 Am 19. Sept 1710 melden sich mehrere Bewerber um den Thurm-Manns-Dienst. Peter Zobel, er hat sich am Haber brüchig gelupft. Ein Hans Hoffer. Ein Martin Schwingmayer wegen im Krieg bekommenen Blessuren. Der 50 jähr. gewesener Musketier Antoni Johannes, türkischer Herkunft. Er lebt seit 17 Jahren in der Stadt und war zum Christentum übergetreten. Anton Mederschach, er hat ein schlechtes Einkommen. 
 
 Martin Schwingmayr wird unter der Bedingung angenommen, dass er wieder abtreten müsse, wenn sich ein Trompeter für den Dienst melden sollte.
1713 Am 26.Sept. bittet Andreas Kreuth ihn als Thurmmann aufzunehmen, das wurde bewilligt.
1719 Neuer Türmer Josef Ranckh. Er wird am 24. Sept. 1723 zum kath. Latein. Schulmeister und Chorregent ernannt. Er empfiehlt Christoph Planes (Blanes, Planesi) als Nachfolger. Das wird angezweifelt, da sich Planes dieser Tage übel aufgeführt hat.
1723 Am 19. Nov 1723 bittet Ch. Planes aus Pfreimbdt bei Regensburg erneut um den Stadttürmerdienst und wird angenommen.

Er wird vergelübdet das er:

 1. So Tags als nachts sich fleissig aufm Thuren und wacht halte, auch alle Stund fleissig nach schlage nicht minder bey ,Gott verhüte,  entstehenden Feuersbrunst sogleich anschlage und alles Argwöhnische alsbald dem Bürgermeisteramt anzeige.

2. Morgens und Abends mit der Trompete Blase

3. sich gegen den Magistrat in allem unterthänig, getreu und gehorsam erweise. Dies hat er alles gelobt.
1733 Am 17. Juli 1733 wird Planes in die Herren Fronfeste gebracht und verwarnt (Er hatte gesoffen und sein Weib übel traktiert)
1740/ 1741 bittet Planes darum ihm wegen seiner vielen Kinder eine Erhöhung der Besoldung zu reichen, er war jetzt schon 17 Jahre Türmer.
 Er bekam dann statt 1 Metzen Korn 2 Metzen und 2 Metzen Roggen. (1 Metzen waren im Königreich Bayern 37,0596 Liter). Planes erblindet 1767 mit 84 Jahren
1767 Türmer Johann Leopold Nikrazger aus Böhmen
1801 Türmer Franz Anton Held 
1810 Eine neue Feuerverordnung wird bekannt gegeben:
 
 Entdeckt der Türmer ein Feuer, hat er es umgehend der Behörde zu melden und durch Anschlagen der Feuerglocke bekannt zu machen. Anscheinend hatte der Türmer auch ein Sprachrohr mit dem er vom Turm rufen konnte.
 
 Alsdann hängt der Mesmer der St. Martinskirche die Feuerfahne aus dem Turm und schlägt die Sturmglocke.
 
 Die Bevölkerung wird auch durch einen Trommler der mit der Feuertrommel durch die Stadt läuft auf den Brand aufmerksam gemacht.
1820 Der mittlere Knopf wird vom Turm abgenommen und vermutlich erneuert
1821  Vertretung des Türmers Held durch F.X. Lenz
1822 Ein Blitz zerschlägt Dach und Fenster
1827 Vertretung des Türmers Held durch Musikdirektor Bachschmid.
 
 Der inzwischen verstorbene Anton Held wird ersetzt durch den ledigen Bürgersohn Jonas Daniel Bächler. Bächler wird 1842 neuer Musikdirektor an der evangelischen Kirche.
1834 Es wird ein 100 Fuß tiefer Grundwasserbrunnen neben dem Turm gegraben.
1855 Die um 1800 zersprungene Feuerglocke wird durch eine neue Glocke ersetzt.
1866  Türmer ist Jean Bavall
1878  Neuer Türmer Georg Rosenberger
1882 Türmer ist Hyronimus Haug (verstorben 1897).
 
 Im Jahr 1882 wird für den Feuersicherheitsdienst eine Telefonleitung vom Turm zum Rathaus eingerichtet. Die Stadt selbst muss bis 1895 warten, um an das Telefonnetz angeschlossen zu werden.
 
  Im April 1882 wird der mittlere Knopf abgenommen, er ist durchlöchert wie ein Sieb und im Inneren liegen Spitzkugeln. Im Inneren der Kugel befindet sich auch ein Papierdokument.
 
 Am 22 August zw. 3 und 4 Uhr schlägt der Blitz im Turm ein. Dabei wird das Dach schwer beschädigt und die Fenster in der Turmwächterwohnung zerschmettert.
 Ein anwesendes Mädchen wird im Gesicht verletzt, und die Ehefrau des Wächters so betäubt, dass sie hernach ganz gehörlos bleibt und nie mehr recht gesund wird.
1886 Am 23.Juli 1886 schlägt der Blitz wieder ein und fährt durch die Telefonleitung bis ins Rathaus, das Läutwerk wird dadurch zerstört.
1898  Türmer Anton Aichner aus Landsberg (geb. 12.5. 1863 in Straubing)
1900  Neuer und letzter Türmer wird Hermann Höntze aus Zahna (Sachsen-Anhalt) zuletzt wohnhaft in Bayreuth ( seine Frau Anna Margarethe aus Eckersdorf, die Töchter Anna und Martha, die Söhne Max und Georg).
 
 Dienstgehalt 1910: 11.-15. Dienstjahr 700 Mark jährl. 16.-20. Dienstjahr 750 Mark jährl. Im Gehalt enthalten 100 Mark Wertanschlag für Dienstwohnung. Zuschläge jährl. Funktionszuschlag 150 Mark, Teuerungszulage 100 Mark, Zuschuss Brenn- und Beleuchtungsmaterial 130 Mark
1905 Für die Vergrößerung der Stadttürmerwohnung werden ca. 550 Mark ausgegeben (lt. Verwaltungsbericht des Stadtmagistrats).
1906 Am 24.08.1906 soll der Türmer einen Brand in der Mindelheimer Str. nicht ordnungsgemäß gemeldet haben, dadurch kommt die Feuerwehr verspätet zum Brandplatz.
 
 Als Reaktion darauf fordert die Feuerwehr eine elektrische Brandmeldeanlage. Diese Anlage wird 1908 in Betrieb genommen. Sie besteht aus einer Zentrale im Polizeizimmer im Rathaus und 36 Alarmweckern in den Wohnungen der aktiven Feuerwehrlern.
1917 Beginn der Kriegsnagelung. Enthüllung des Nagelungsschildes am Sonntag 30.09.1917, zwei Tage vor dem 70. Geburtstag von Paul von Hindenburg. (Eigentlich wären Geburtstagsfeier und feierliche Enthüllung zusammen wünschenswert gewesen. Da der Geburtstag aber auf einen Wochentag fiel, an dem die Bürger arbeiten mussten, legte man die Enthüllung vor, damit jeder aus der Stadt anwesend sein konnte.)
1920 Der Feuerwachdienst auf dem Turm wird für überflüssig angesehen und eingestellt. Herr Höntze wird zum Amtsboten gemacht.
1930 Familie Häutle zieht als Mieter ein. Die Möbel werden mit einem Leiterwagen von der vorherigen Wohnung im Alleeweg zum Turm transportiert.
 
 Der Dachstuhl, das Dach, die Knöpfe und der Kamin sollten repariert werden.
 
 Bis zum 3. Stock müssen erst mal Fenster eingebaut werden. Als Licht dient eine Gaslaterne. Auf den Treppen nutzt man Kerze oder Taschenlampe.
 
 Das Bügeleisen wird mit Koks und später mit Gas beheizt.
 
 Es bestand keine Verpflichtung einer Feuerwache. Es gab aber noch eine Telefonleitung zur Polizei, für den Fall, dass doch ein Brand in der Stadt entdeckt wird.
1932 Johann Häutle verstirbt. Johanna Häutle ist mit ihren 3 Kindern alleine im Turm, lebt von 60 Mark Rente. Sie webt Teppiche im 2. Stock und baut im Garten Kartoffeln und Gemüse an.
1934 Es gibt schon eine Flutlichtbeleuchtung des Turms
1946 Es werden Schäden am Dach behoben, anscheinend fehlt schon einer der fünf Knöpfe
1935 Elektrizität wird verlegt und die Gasleitung entfernt
1954 Peter Köbler wird geboren. Anton Köbler zieht in den Turm, Mietwohnungen sind schwer zu bekommen
1959 Heidi Köbler wird geboren
1960 Toni baut das Bad aus, Ende der Zinkbadewanne
1961 Der elektrische Hausanschluss wird gebaut, zuvor war der Turm provisorisch an das Stromnetz der Rosenbrauerei angeschlossen. Gleichzeitig wird der Gasanschluss stillgelegt.
1967 Das Dach und das oberste Geschoss des Turmes wird erneuert. Die Kosten steigen von 8000 Mark für eine geplante Dachreparatur auf 80000 Mark für die Erneuerung.
 Von Mai bis September wohnen die Eltern im Garten im Zelt und die Kinder mit Oma im 2. Stock.
 
 Ein neuer Ofen wird auch aufgestellt.
1969 Rosa Fliesen kommen ins Bad
1972 Peter Köbler zieht aus
1977 Annie Köbler verstirbt mit 47 Jahren an einer Hirnblutung
1978 Schwelbrand in der Stube, ausgelöst durch ein Heizkissen das Oma vergessen hat auf ihrem Sessel auszuschalten
1979 Der Waschkessel im Bad wird durch einen Badeofen ersetzt. Oma Häutle verstirbt mit 87 Jahren im Turm. Der Mietvertrag läuft jetzt auf Heidi Köbler
1983 Einbau einer Einbauküche in der Stube. Anschluss an die Kanalisation der Rosenbrauerei. Einbau eines WC im Bad, das Klo mit Eimer ist Geschichte
1984 Jennifer Kunstmann wird geboren
1988 Kevin Kunstmann wird geboren.
 Die Feuerglocke wird wieder aufgehangen.
1990 Die unteren 2 Treppen werden erneuert. Dabei wird festgestellt, dass der Brandschutz im Turm nicht den Vorschriften entspricht. Die Familie Kunstmann soll sofort ausziehen, da für ihre Sicherheit nicht garantiert werden kann. Die Kunstmanns wehren sich, beteiligen sich finanziell an den Brandschutzmaßnahmen und dürfen im Turm bleiben. Brandschutzplatten und Rauchabzugsfenster werden verbaut.
1993 Das Bad wird neu gefliest, Badewanne gegen Dusche getauscht. Alles auf eigene Kosten
2004 Heidi Kunstmann zieht aus
2006 Michael Kunstmann zieht aus
2007 Kevin Kunstmann zieht aus. Jenny lebt 3 Jahre alleine im Turm, bis Simon Batzer einzieht
2014 Jenny und Simon ziehen aus.

Jetzt beginnt das Tauziehen was mit dem Turm geschehen soll. Wieder vermieten oder leer stehen lassen? Zum Glück wird der Förderverein Fünfknopfturm gegründet und erhält den Schlüssel für den Fünfknopfturm.
2017 Der Turm kann, nach längeren Umbaumaßnahmen, für Führungen und Hochzeiten geöffnet werden.

erstellt von Peter Köbler und Heidi Kunstmann aus eigenem Wissen und mit Informationen aus dem Stadtarchiv, Büchern des Heimatvereins der “Blauen Reihe”, Büchern aus der Reihe “Die Stadt Kaufbeuren”.